Die Feldbahnen vom Krankenhaus Lainz und Versorgungsheim Lainz
(Geriatriezentrum am Wienerwald)

Berichterstattung von Franz Straka

1907 beschloss der Gemeinderat unter Bürgermeister Dr. Karl Lueger zu Ehren des Kaisers Franz Josef I. eine Krankenanstalt zu bauen. Der Betrag von 10 Millionen Kronen wurde von der Gemeinde Wien zur Verfügung gestellt. Im Oktober 1907 fand die Grundsteinlegung statt und der Betrieb wurde 1913 aufgenommen. Von 1916 - 1932 wurde das Kesselhaus über das Straßenbahngleis mit Brennmaterial versorgt. Die Verwundeten des Ersten Weltkrieg wurden vielfach mit der Straßenbahn in das Spital eingeliefert. Das Anschlussgleis zweigt bei der Kreuzung Wolkersbergenstraße / Hermesstraße / Biraghigasse von der Linie 62 ab, wobei das Anschlussgleis eine Länge von ca. 200-250 m hatte. Beim Bau der Krankenanstalt wurde Feldbahnen eingesetzt, mit einer Spurweite von 600 mm. Diese Bahnen dienten als Hilfsmittel beim Bau, zu Versorgungs- fahrten, von diversen Materialen. Zusätzlich wurden zum Transport von Materialen, Wäsche und Verpflegung Lastwagen mit Anhängern von der Firma Austro Daimler beschafft wo neben den Kesselhaus eigens eine Garage zu Verfügung stand. Trotz moderner Technik bewährten sich die Lastkraftwagen nicht. Aufgrund dessen, dass im benachbarten Versorgungsheim Lainz (Geriatriezentrum am Wienerwald) die Erfahrung mit der mit der verkehrenden Feldbahn (Handbetrieb) positiv war, beschloss die Spitalsleitung ebenfalls eine Bahn zu bauen.


Feldbahnlokomotive als Denkmal im
Bereich des Einganges im Spital
Man entschloss sich die Bahn gleich mit Lokomotivbetrieb auszustatten. Der erste Weltkrieg verhinderte jedoch den Bau der Feldbahn obwohl sie bereits projektiert war wurde sie erst 1918 erbaut. Es wurde eine Spurweite von 500 mm gewählt auf ca. 1,9 km festgelegt und schon damals in Ringform erbaut, so dass man jeden Pavillon (Kranken Objekt) erreichen konnte. Am Anfang entschloss man sich zwei Feldbahnlokomotiven mit Benzinmotoren zu kaufen. 1951/52 kamen neue Lokomotiven (Diesel) aus Jenbach dazu, so dass man die alten benzinbetriebenen verschrotten konnte.
Es dauerte bis zum Jahre 1958 wo man für die Umwelt etwas tuen wollte und man beschaffte Akkulokomotiven dies war für das Spital umweltfreundlich ist und darum wurden die Benzinbetriebenen Lokomotiven (Diesel) abgelöst. Im Krankenhaus Lainz (vormals Kaiser – Jubiläums - Spital) ging der Betrieb Ende der 60 er Jahre zu Ende und die Lokomotiven (Dieselloks) kamen als letzte Fahrzeuge zur benachbarten Strecke ins Versorgungsheim ( Heute: Geriatriezentrum am Wienerwald).


Ansicht in den Schuppen der zwei Diesel- lokomotiven. Diese Lokomotiven werden für die Schneeräumung im Winter verwendet.



Dies sind die Diesellokomotiven aus dem Jahre 1951/1952

Versorgungsheim ( Heute: Geriatriezentrum am Wienerwald)

Der Wiener Gemeinderat beschloss Mitte 1901 den Bau eines neuen Versorgungshauses, dadas alte Haus im 9. Bezirk aus allen nähten Platzte ( Baujahr 1868 ). Auch der Bedarf an Betten und Pflegeplätzen ließ den Ruf lauter werden. Man fand im 13. Wiener Gemeindebezirk eingeeignetes Areal in der Größe von ca. 350.000 m², dass man für diesen Zwecke umwidmenkonnte. Mit dem Bau wurde Ende Juni 1902 begonnen obwohl erst im Oktober 1902 dieGrundsteinlegung durch Kaiser Franz Josef I. erfolgte.


Garage für die Verladung der Essenswagen

Von der Haltestelle Speising (Straßenbahn) zweigte ein Normalspuriges Gleis auf das Gelände ab worauf jegliches Baumaterial zugeführt wurde. Die Ziegeln wurden von den Wienerberger Ziegelwerken Inzersdorf bis zur Baustelle im durchgehenden Betrieb geliefert. Schon damals setzte man Zeichen für eine ökologischen Betrieb, den damit wurde die Umwelt geschont. Die Fertigstellung des Versorgungsheimes sowie die Eröffnung fanden in der ersten Jahreshälfte 1904 statt. Damit der reibungslose Betrieb zur Versorgung mit Wäsche, Essen und Brennmaterial

gesichert wurde, plante man eine händisch betriebene Feldbahn. Der Bauauftrag wurde 1904 der Breitenseer Firma Lehmann & Leyer übergeben, die die Strecke von ca. 4 km in nur knapp einem viertel Jahr fertig stellte. Man wählte eine Spurweite von 500 mm wobei der Unterbau mit Stahlschwellen und Vignolschienen gefertigt wurde.

Auf diesen Waggons werden die Essens - container verladen und transportiert.
Die Schienen wurden wie heute vollkommen eingebettet und die Straßenübergänge wurden damals mit Tafeln gesichert. Beim Küchenblock (Spitalsküche) wurden die Waggons zur Beladung vorbereitet und standen in einer Remise zum Abtransport bereit. Ebenfalls existierten eine Vielzahl von Drehscheiben (Heute nicht mehr vorhanden) gab es ebenfalls die zum Stutzen (Abstellgleis) führten wo die Waggons entladen wurden um die Speisecontainer mit Aufzügen an ihren bestimmungs Ort weiter zu befördern.
1913 wurde ein Anschlussgleis zur Prosektur ins benachbarte Kaiser Jubiläums Spital errichtet um die Verstorbenen in eine gemeinsame Halle zu bringen wo sie dort aufgebahrt wurden. Das Gleis wurde später weiter belassen und diente als Verbindungsstrecke. 1918 erkannte man, dass der Handbetrieb nicht mehr der Zeit entsprach und man dachte nach den Betrieb mit neuen Lokomotiven zu modernisieren.

Die Waggons mit dem Essen werden zu
den Pavillons (Objekte) geliefert.

Transportlokomotive in der Werkstätte
zu einer Instandsetzung.

1925 wurde die Baufirma Langfelder&Sohn beauftragt alle Drehscheiben gegen Weichen zu ersetzten und bei den Kreuzungen mit dem Anschlussgleis der Straßenbahn Rillenschienen zu verlegen. Dadurch wurde die Streckenlänge auf ca. 4200 m erhöht, weiters wurden vier Akku-Lokomotiven bei der Firma AEG gekauft die heute noch in Betrieb sind (in modifizierter Form). Darauf werden wir noch später zu sprechen kommen. Man besorgte auch neue Speisetransporter (Waggons) die auf einer Seite eine Handspendelbremse hatten, die auf beide Achsen wirkte. 1966 erwarb man von den Jenbacherwerken eine Diesellokomotive (JW 15 / Fabriksnummer 1430/ 1966 ), sie diente für Schneeräumung und als Ersatzlokomotive bzw. zu Arbeitsfahrten.


Innenleben der Lokomotive ohne Akku.

Als die Bahn im Krankenhaus Lainz eingestellt wurde kamen die zwei Diesellokomotiven zur Feldbahn ins Versorgungsheim (Geriatriezentrum am Wienerwald). Anfang der 70 er Jahre wurden Stimmen laut die Bahn sei nicht mehr Zeitgerecht und kein passendes Transportmittel. Mit einem Wort Sie gehörte zum alten Eisen und man machte Versuche mit Lastkraftwagen. Doch die Bahn mit ihrer Schnelligkeit entschied die Karten für sich, da der Lastwagen nur ein Fiasko verursachte. Viele Patienten waren auf die regelmäßige Einnahme ihrer Mahlzeiten

angewiesen den wiederum nur die Bahn durch Ihre Flexibilität zustande brachte, einen Umstand, den wiederum ein genauer Fahrplan besorgte. Die Geleise zur Prosektur sowie zum Wirtschaftshof wurden entfernt, da sie nicht mehr benötigt wurden.

Weichengruppe zu der Lokomotivhalle
und Werkstätte.


Instandsetzung einer neuen Weiche
in Eigenregie.

Die Feldbahn ist die einzige in Österreich die von 1904 - bis dato (Stand 2008) ununterbrochen in Betrieb stand. Erwähnenswert ist, daß im Jahre 1916 - 1934 das Straßenbahn Anschlussgleis für verstorbene Patienten als Transportmittel zum Zentralfriedhof genützt wurde. Dafür wurde der Beiwagen d 1716 zum Le 7031 umgebaut der bis 1928 im Einsatz war. Dieses Fahrzeug ist im Bestattungsmuseum zu besichtigen. Auch eine Ausstellung „100 Jahre Feldbahnen in Krankenanstalten - 100 Jahr Feldbahnen im Versorgungsheim Lainz“ ist (war) im Feldbahnmuseum / Industriemuseum Freiland vis a vis vom Bahnhof zu sehen.

Lokomotivführer plaudern aus dem Nähkästchen

Die Instandsetzung der Schienen, Lokomotiven und Waggons wird zu 90 % in Eigenregie durchgeführt. Die Länge der Strecke (Stand 2004 ) beträgt 4.000 m. Die Weichen werden in Meterware geliefert und vor Ort durch eigenes Personal gefertigt. Bis 2007 gab es keine Alternative zu der Feldbahn, die Flexibel, Umweltfreundlich und wenig Belastung für das Spital aufweißt, da bei Abholung sowie bei Liefern des Essens die Effizienz zählt. Man kann der Bahn nur weitere 100 Jahre Glück wünschen.

Schmalspurbahn im AKH?

Im 9. Wiener Gemeindebezirk befindet sich das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien (Uni Klinik). Um den steigenden Bedarf an Bettwäsche, Essen, Unterlagen, Proben für das Labor auf einfachen Weg zu transportieren, wurde beim Bau des Spitals eine vollautomatische Bahn die über eine Leitstelle kontrolliert wird eingebaut. Es handelt sich dabei um zwei Bahnen die sich im Haus bergwärts und talwärts bewegen, ohne daß ein Besucher des Spitals etwas merkt. Pro Tag werden mit diesen Bahnen 3500 Fahrten absolviert. Da jeder Wagen laufend überwacht wird, kann sehr schnell eruiert werden wo sich ein Waggon befindet. Nach 40 Minuten kehrt ein Wagen der sein Ziel nicht findet automatisch in die Leitstelle zurück wo er an die richtige Adresse gesendet wird. Die Anlagen schickt automatisch nach 7000-7500 Fahrten den Transportwagen zu einem Service an die technische Abteilung, wo der Wagen auf Herz und Nieren geprüft wird.

Bahn I: Transportiert Essen an ca.141 Stationen. Ein Behälter fast max. 125 kg und fährt mit 6 km/h = 0,35 m/s

Bahn II: Transportiert Kleinbehälter z.B.: Unterlagen und Proben. Ein Behälter fast 7 kg und fährt mit 12 km/h = 0,65 m/s

Diese Spitalsbahn fährt zwar wie mit Geisterhand sollte aber in diesem Bericht erwähnt werden. Wir danken dem Versorgungsheim Lainz sowie dem AKH für die Auskünfte über ihre Bahnen zur Versorgung der Patienten.

Franz Straka
Februar 2008